Holstein-Tour

Ahoi„Astarte“(Himmelskönigin und Liebesgöttin)

(Autor: Gerd Pigerl)

Gegen Ende 2011 unterbreitete mir Bert Linden seinen Plan, im Frühjahr 2012 mit dem Rennrad von Büderich aus sein in Maasholm an der Schleimündung liegendes Schiff „Astarte“ anzusteuern. Ich war sofort Feuer und Flamme und sagte spontan meine Beteiligung zu. Anfang 2012, nachdem der Termin einigermaßen klar war, sagte Bernd Feustel als alter Seebär ebenfalls zu. Einigermaßen aufwendig war die Klärung der Gepäckfrage, aber Bert als „Vielfahrer“ wusste uns in allen Fragen kompetent zu beraten. Somit hatten wir letztlich zusätzlich ca. 8 Kilo auf einem Topeak-Gepäckträger (RX BeamRack) mit einer geräumigen Mitteltasche und seitlichen Packtaschen (Topeak RX TrunkBag) plus Rahmentasche(ABUS ST 3250) an Bord.

Im Vorfeld hatten wir eine Grobroute abgestimmt, die Übernachtungen in Jugendher- bergen vorsah. Dies erwies sich ausnahmslos als nicht durchführbar, da alle Herbergen trotz ferienfreier Zeit ausgebucht waren. Mein Tip: Übernachtungen in Jugendherbergen sollten unbedingt vorab fest gebucht werden. Dies hat jedoch den gravierenden Nachteil, dass bei besonderen Vorkommnissen währen der Tour Zeitprobleme vorprogrammiert sind.

Die Route stimmte ich dann mit meinem Garmin-Kartenmaterial fein ab und übertrug sie auf das Navi. Ich kann nur empfehlen, solche Unternehmungen ähnlich zu planen, da die Fahrt mit Routenführung viele Erleichterungen bringt und zumeist lästiges Anhalten und Kartenlesen vermieden wird.

Nach der längerfristigen Wettervorhersage zogen wir den Routenbeginn auf Samstag, den 14. April, vor. Ich startete gegen 8 Uhr bei kühler, aber freundlicher Witterung und kräf- tigem Nordwind in Büttgen und holte Bert und Bernd in Büderich ab. Wir befuhren bis kurz vor Krefeld Hafen den neu fertiggestellten Weg auf dem Rheindeich und Bernd als Insider zeigte uns im Vorbeifahren eine ganze Reihe schöner Biergärten, was in uns den Verdacht nährte, dass er offensichtlich dort schon häufiger Besucher war. Ein kurzer Ab- stecher führte uns auch in das Dujardin-Stammhaus. Weiter ging es über Rheinhausen, Ruhrort und Baerl zur Fähre nach Orsoy. Nach derRheinquerung machten wir in Dorsten in einem Cafe Rast und stärkten uns mit Waffeln (es soll Leute geben, die als Belag Nutella verwenden). Die nächsten Stationen waren Haltern am See, Dülmen, Senden. Am Spät nachmittag ab 17.30 Uhr suchten wir auf unserer Route nach Übernachtungsmöglichkeiten in Landgasthöfen und wurden in Amelsbüren bei Münster fündig. Die Unterbringung im Hotel “Zur Davert“ war gut und bei leckerem Abendbrot (Bernd Spaghetti, Bert und ich gebackene Ochsenbäckchen) ließen wir den Tag ausklingen.

Die Tagesstrecke betrug ca. 180 Km.

Sonntag, 15. April

Start in Amelsbüren 9.30 Uhr bei kühler, aber freundlicher Witterung, weiterhin kräftiger Nordwind. Über Everswinkel, Glandorf (hallo August) erreichten wir, es wurde zunehmend welliger, Bad Laer, dort Rast mit Tee und Minestrone. In Bad Iburg waren wir endlich im Teutoburger Wald angekommen und hatten ordentlich zu strampeln, die schöne Gegend entschädigte jedoch dafür. Die weiteren Stationen hießen Wellendorf, Borgloh, Welling- holzhausen, Neuenkirchen und Enger. Dort gab es Tee und deftige Zwischenmahlzeiten. Über Hiddenhausen, Südlengern und Tengern erreichten wir Nettelstedt, das bekannte Handballdorf. Dort suchten wir, die Dämmerung brach langsam herein, vergeblich nach einem Quartier. Passanten empfahlen uns, in die Kreisstadt Minden-Lübbecke zu fahren. Dort hatten wir nach längerer Suche Erfolg in dem am Stadtrand gelegenen „Quellenhof“ mit dem Charme der 70er Jahre, aber in der Not…………………Fliegen. Zusätzlicher Nachteil war, dass wir zum Abendessen mit den Rädern in die Innenstadt fahren mussten. Das Essen war jedoch prima und die Stimmung entsprechend gut. Zufällig kamen wir im Restaurant durch unsere Vereinsbekleidung ins Gespräch mit einem jüngeren Mann, der mit der Leiterin des bdw-Reisebüros in Büttgen seine Kindheit verbracht hat. Er richtete uns Grüße aus, die ich gerne übermittelt habe. Die Heimfahrt allerdings bei weitgehender Dunkelheit war spannend, aber dank unserem „Vorfahrer“ Bernd völlig sicher.

Tagesstrecke ca. 155 km.

Montag, 16. April

Nach einer nicht ganz ruhigen Nacht(LKW-Verkehr) und einem eher spartanischem Frühstück, das nur durch Berts Intervention um Rühreier erweitert wurde, starteten wir um 9 Uhr bei sehr niedriger Temperatur um 3 Grad, aber freundlicher Witterung bei weiterhin Nordeinfluss. Die nächsten Stationen in sehr schöner Gegend waren Frotheim, Warmsen, Uchte, Steyerberg. Den nächsten Ort Liebenau werde ich wohl immer in Erin- nerung behalten. Bei der Ortsdurchfahrt mit ca. 30 km/h, wir waren auf der Vorfahrt- straße, zog ein Jeep aus der Nebenstraße vor. Ich war vorne und durch eine glückliche Reaktion konnte ich noch an der Frontschürze vorbeikommen. Der hinter mir fahrende Bert konnte noch abbremsen und Bernd dahinter hatte sozusagen den Logenplatz. Mit etwas zittrigen Beinen ging es weiter über Marklohe und Bage nach Eystrup. Hier machten wir Rast und wurden von zwei netten Kellnerinnen mit Tee, Currywurst und Salat ver- sorgt. Die nächsten Zwischenziele waren Rethem, Aller-Fähre bei Hodenhagen, Bad Fallingbostel und Soltau, hier waren wir bereits in der herrlichen Lüneburger Heide angelangt. Da wir noch Kilometer „fressen“ wollten, fuhren wir bis Bispingen und machten dort Quartier im  Hotel  „Heidehof“, das sich noch im Restaurierungszustand befindet. Die Zimmer waren einfach, aber in Ordnung. Die Küche war absolute Spitze, wir schlemmten mit wunderbaren Spaghettigerichten und Scampi.

Die Tagesstrecke betrug ca. 170 km.

Dienstag, 17. April

Start um 9.30 Uhr bei weiterhin kühler Witterung und, man höre und staune, bei kräf- tigem SW-Wind. Entsprechend flott lief es südlich an Lüneburg vorbei über Deutsch Evern, Wendisch Evern und Hohnstorf. In Lauenburg querten wir die Elbe und machten einen Abstecher in die wunderschöne Altstadt. Das Kopfsteinpflaster dort schüttelte uns kräftig durch. Weiter gings über Basedow, Witzeeze  zum ehemaligen Grenzübergangspunkt Büchen,wo wir uns in einem Kaufhaus mit Bäckerei verpflegten. Direkt am Kaufhaus  erwischte es dann Bernd mit einem Platten, glücklicherweise konnten wir in einem benachbarten Fahrradladen aufpumpen und auch die Ritzel mit etwas Öl pflegen. Flotte Fahrt weiterhin durch Siebeneichen, Woltersdorf und Breitenfelde nach Mölln. Einfach eine tolle Stadt, dort ließen wir uns Tee und Gebäck munden. Im Verlauf der Route über Berkenthin, Sierksrade, Bliestorf, Groß Schenkenberg suchten wir wegen der bereits vorgerückten Stunde nach Unterkünften. Insbesondere in Reinfeld machten wir uns aufgrund der Auskünfte von Passanten Hoffnung, vergeblich, alles ausgebucht. Als Ausweg blieb nur noch die Kreisstadt Bad Oldesloe. Dort war nicht mehr die Zeit, wählerisch zu sein, so nahmen wir die erstbeste Gelegenheit wahr und landeten in „Wiggers Gasthof“ (Familienbetrieb seit 1856). Ich hatte ein Zimmer im  Haupthaus  (Einrichtung Sperrmüll, morgens Wecken mit Baubagger), Bert und Bernd hatten es etwas besser angetroffen, zumindest ruhig. Die Speisekarte war abenteuerlich übersichtlich, die Qualität entsprechend. Es ging nur ums „Sattwerden“.

Die Tagesstrecke betrug ca.185 km

Mittwoch, 18. April

Bei regnerischem, kühlen Wetter und SW-Wind starteten wir gegen 9 Uhr zur letzten Etappe. Erstmals waren Regenjacken erforderlich. Routenverlauf: Holsteinische Schweiz Neuengörs, Weede (es kam, wie es kommen mußte, Bert hinten platt), Schieren, Klein Rönnau, Groß Rönnau, Blunk,Tensfeld, Damsdorf, (das Wetter wieder sehr gut) Schmalensee, Belau, Wankendorf, Wattenbek, Reesdorf, Techelsdorf, Großflintbek, Rumohr, Rodenbek, Achterwehr (Fähre Kanalquerung), Rast im Gasthof in Kanalnähe mit Tee und holsteinischer Rohwurst), Lindau, Eckernförde. Nun wurden die letzten Kräfte mobilisiert und zügig ging es weiter über Waabs, Thumby, Winnenmark nach Kappeln. Dort ein schnelles, qualitativ mittelmäßiges Abendessen aus Spaghetti und mit den letzten Sonnenstrahlen über Rabel nach Maasholm, Ankunft gegen 19 Uhr, Schiff ahoj.

Die Tagesstrecke betrug ca. 175 km.

Nachdem das Schiff zum Übernachten klargemacht war, ging es erst mal unter die Dusche in der sog. Marina(Einrichtung sanitärer Anlagen für die liegenden Schiffe) und danach folgte ein fröhlicher und feuchter Ausklang in der Dorfkneipe.

Donnerstag, 19. April

Der nächste Tag war ein absoluter Ruhetag mit kleinen Spaziergängen vor Ort. Abends wurde auf dem Schiff gekocht (versch. Heringssalate mit Pellkartoffeln), dazu Grauer Burgunder, anschl. Tee mit gehöriger Portion Rum.

Freitag, 20. April

Am nächsten Tag machten wir gegen 10 Uhr die Leinen los, Bert manövrierte uns aus dem  Hafen, danach durfte ich das Ruder übernehmen und wir fuhren mit Dieselkraft auf der Schlei nach Kappeln(Querung der Hebebrücke) und zur herrlich gelegenen kleinsten Stadt Deutschlands, Arnis. Dort wurden wir in einer Fischerkneipe mit leckerem Butt  verwöhnt. Nach der Rückfahrt wurde Fisch  und Kartoffeln eingekauft und wir schlemm- ten nach einem Umstieg von Gasenergie (Flasche leer) auf Elektroenergie (alter Elektro- kocher, den Bert auf der Werft besorgt hatte und der sonst zum Erwärmen von Bitumen zum Abdichten von Schiffen verwendet wurde, entsprechend sah er aus) mit gebratenen grünen Heringen und Bratkartoffeln mit feuchter Begleitung(Wein und Tee mit Rum).

Samstag, 21. April

Die Rückreise am nächsten Tag begann mit einer Radtour nach Schleswig zum Bahnhof, ca. 50 km, von dort mit Regionalbahn bis Hamburg und dann mit Intercity nach Düsseldorf, Ankunft 18.45 Uhr.

Die harten Fakten

Gesamtstrecke: 865 km; Höhenmeter: 3581 m; Durchschnitt: 25,2 km/h

Kurze Information zum Schiff

Kajütboot, 10, 50 m lang, 3,05 m breit, Verdrängung 5,5 to, sowohl mit Segeln als auch mit Dieselmotor ausgerüstet.

Schlussbetrachtung

Diese Radtour mit Aufenthalt in Massholm wird mir mit allen Facetten in bester Erin- nerung bleiben, angefangen mit den schönen Landschaften, weiter mit den meist guten  Quartieren und Mahlzeiten, dem besonderen Leben auf Schiff  und last but not least der immer tollen Kameradschaft. Mein Dank gilt dem Gastgeber Bert und Bernd. Ich würde jederzeit wieder loslegen.

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