talentschmiede am niederrhein
Talentschmiede seit über 50 Jahren
Die schnellen Jungs und Mädels auf zwei Rädern haben der kleinen Gemeinde Büttgen, ein Stadtteil von Kaarst im Schatten der nahen Landeshauptstadt Düsseldorf, in der Welt des Sports zu beachtlicher nationaler und internationaler Popularität und Bekanntheit verholfen. Generationen von Rennfahrern wurden in Büttgen geformt und gefördert, und zu Deutschen Meistern, Weltmeistern und Olympiasiegern buchstäblich „geschmiedet“.
Die ersten Jahre
Doch wie kam es dazu? Bis in die frühen 60er-Jahre war Fußball die dominierende Sportart und der 1912 in Büttgen gegründete „Verein für Rasensport“ ein reiner Fußballverein. Büttgens Radsportler fuhren damals noch im Trikot des Neusser RV ihre ersten Erfolge ein. Franz Bresser, der Wirt des damaligen VfR-Vereinslokals im Bahnhof Büttgen, war es, der 1962 den VfR-Präsidenten Hermann Dropmann anregte, ihnen eine sportliche Heimat im VfR zu schaffen. Bresser war in seiner Jugend selbst Rennfahrer im Verein „Staubwolke Büttgen“, der Jahrzehnte vorher schon nicht mehr existierte. Kurzerhand „befahl“ Hermann als Oberst a. D. seinem Freund Peter Kirchhartz die Gründung einer Radsportabteilung im VfR, damit seine beiden ältesten Söhne Willi und Dieter nicht mehr länger im Neusser Radsport-Trikot fahren mussten. Willi Dickhöfer wurde erster Jugendtrainer der Radsportabteilung.
sportforum Kaarst-büttgen als Heimat für den Radsport
Eine Radrennbahn entsteht
Die ersten Titel bei den Deutschen Meisterschaften 1967 bis 1969 waren die Triebfeder und die Motivation für Hans Schwelm, Hermann Dropmann und Peter Kirchhartz, sich intensiv für den Bau einer eigenen Radrennbahn in Büttgen einzusetzen. Bereits im Jahr 1971 wurde die Radrennbahn von dem weltweit anerkannten Bahnarchitekten Herbert Schürmann fertig gestellt, und zwar damals noch als offene Bahn, ohne Tribünen und Hoteltrakt.
Zur Einweihung wurde bereits im Juni desselben Jahres ein Radrennen veranstaltet, bei dem die Zuschauer mangels Tribünen auf Traktorenanhängern saßen. Später wurden dann noch der Hoteltrakt (1974) und die Überdachung (1980) fertig gestellt.
Die Bahn bekommt ein Dach
Bald wurde erkannt, dass ein Umbau notwendig sein würde. Die Radrennbahn wurde daraufhin mit Tribünen ausgestattet und es wurde auch ein Hotel mit Restaurant eingerichtet. Im Oktober 1974 fand die Einweihung dieser Erweiterung statt.
Seit 1974 hat die Sportstätte den Status eines Radsportleistungszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen im besonderen Landesinteresse. Um die Radrennbahn effizienter nutzen zu können, wurden Überlegungen angestellt, die Bahn zu überdachen.
Die Idee konnte dann auch verwirklicht werden und so wurde aus der Radsportbahn die Radsporthalle, die im April 1980 offiziell ihrer Bestimmung übergeben werden konnte
Der Weg zur MultiFunktionsHalle
Der Erhalt und der jetzige Zustand des Sportforums musste Ende der 90er-Jahre gegen Abrisspläne der städtischen Politik hart erkämpft werden. Peter Kirchhartz hat dabei den enormen Kraftakt vollzogen. Ihm zur Seite standen vom VfR insbesondere sein Sohn Friedhelm, Hermann Dropmann, Herbert Ahlert und Franz-Josef Kallen
Das Sportforum Kaarst-Büttgen
Heute ist der gesamte Komplex zu einer MultifunktionsHalle umgebaut worden. In- und ausländische Radsportler schätzen die Bahn sehr und bezeichnen sie als eine der schönsten überdachten Sportstätten, die ganzjährig als Trainings- und Wettkampfstätte dient. Viele Nationalteams, Weltmeister und Olympiasieger bereiten sich in dieser Arena auf große Events oder Meisterschaften vor. Selbst große Stars der Tour de France nutzen im Vorfeld der Tour die Bahn zum Test und Abstimmung ihrer Zeitfahrmaschinen. Der große Innenraum ist aber auch bei anderen Sportarten, wie Badminton, Basketball, Inline-Skaterhockey, Fußball, Gesundheitssport, Leichtathletik, Speedskating und Schulsport sehr beliebt und wird regelmäßig als Trainingsstätte genutzt.
Die Bahn im Sportforum war in den letzten Jahrzehnten mehrmals Austragungsort von nationalen und internationalen Meisterschaften. Das Jahr 2002 bildete dabei einen ganz besonderen Höhepunkt. Innerhalb von 14 Tagen fanden die Deutschen Bahnmeisterschaften und die Europameisterschaften auf dem schnellen Büttgener Holzoval statt. Dank der sehr guten persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen von Peter Kirchhartz zu Vladimir Holecek, Mitglied im Präsidium des internationalen Radsportverbandes (UCI) und Präsident des Europäischen Radsportverbandes der CSSR, war es gelungen, die Europameisterschaften gegen die Konkurrenz von Weltstädten wie Moskau und London nach Büttgen zu holen.
Die Rennfahrer aus Tschechien und später auch der Slowakei waren und sind seit dieser Zeit gern gesehene Dauergäste bei den Rennen in Büttgen.
Energetische und Sportfachliche Modernisierung geplant
Seit 2017 finden Planungen für eine erneute Modernisierung statt. Dabei soll die einzigartige Multifunktionshalle auf den neusten energetischen und sportfachlichen Standard gebracht werden. Hierfür haben die Stadt Kaarst als Eigentümerin der Halle und der Rhein-Kreis Neuss einen Kooperationsvertrag geschlossen. Im Jahr 2025 befinden sich die Planungen in Leistungsphase III. Die weiteren politischen Beratungen sind im vollen Gange. Eine Modernisierung ist unter Berücksichtigung erheblicher Fördermittel durch den Strukturwandel und das Land NRW in der Diskussion.
Büttgener Olympiasieger
Büttgener Olympiasieger
Mit Udo Hempel begann der Regen der großen internationalen Erfolge des VfR: u.a. 1970 Weltmeister in Leicester und 1972 in München Olympiasieger jeweils im Bahnvierer mit dem legendären „Goldschmied des Radsports“ Gustav Kilian als Bundestrainer. Udo war für die Nachwuchsfahrer im Verein, denen er mit Rat und Tat zur Seite stand, Motivation pur für ihren eigenen sportlichen Weg. Nach der Olympiade in München schloss sich mit Günther Schumacher Udos Teamkollege aus dem Goldvierer dem VfR an. Er holte 1976 im Bahnvierer seinen zweiten Olympiasieg und damit auch zum zweiten Mal Olympiagold für den VfR Büttgen.
Olympiastraße
Das Radsportleistungszentrum, das heutige Sportforum Kaarst-Büttgen, wird von zahlreichen ausländischen Radsportlern als Trainingsstätte genutzt und es war und ist die Heimstätte mehrerer deutscher Olympiateilnehmer und Olympiasieger im Radfahren, wie u.a. Udo Hempel, Günther Schumacher und Ina-Yoko Teutenberg. Dies erklärt auch den Namen der Straße, die 1975 von der Jahnstraße in die Olympiastraße umgewidmet wurde.
von büttgen hinaus in die welt
Büttgener Eigengewächse
Die Radsportabteilung wurde bekannter und wuchs stetig weiter. 1980 kam die radsportbegeisterte Familie Teutenberg aus Mettmann zum VfR Büttgen. Vater Horst begann 1977 aus gesundheitlichen Gründen mit dem Radfahren und fuhr bei Rad-Touristik-Veranstaltungen mit. Seine Kinder begleiteten ihn dabei und hatten bald keine Lust mehr dazu. Sie hatten Blut geleckt und wollten Radrennen fahren. Sein Sohn Lars entschied sich 1979 in Mettmann beim Radrennen mitzufahren. Es folgten kurz darauf sein Bruder Sven und 2 – 3 Monate später auch seine Schwester Ina-Yoko, die noch so klein war, dass Vater Horst den Sattel auf das Oberrohr des Rennrads kleben musste. Vater Horst erkannte das Potenzial seiner Kinder und wollte es mehr und mehr fördern.
So entschied er sich, dem bekannten Radsportverein VfR Büttgen beizutreten und engagierte sich fortan bei der Trainingsarbeit. Er lernte seine „ersten Schritte“ unter der Leitung des Trainers Franz Hünerbein, der neben Horst Teutenberg auch Hermann Sonderhüsken für spezielle Trainingsaufgaben, wie das Kurvenfahren einsetzte. Horst hatte viel Spaß an der Arbeit mit den Nachwuchsfahrern und entschied sich, den Übungsleiterschein und eine Fortbildung zum C- und B-Radsport-Trainer zu absolvieren. Später ließ er sich noch als A-Trainer ausbilden. Horst erreichte in seiner Karriere als Trainer zahlreiche nationale und internationale Erfolge. Nicht nur seine drei Kinder, Tochter Ina-Yoko und seine Söhne Lars und Sven profitierten durch seine Erfahrung und Engagement, sondern auch viele Sportler, die er in den letzten Jahrzehnten betreute.
Besonders hervorzuheben sind die Weltmeistertitel von Tochter Ina-Yoko 1990 und 1992 im Punktefahren Bahn der Juniorinnen, sowie von Oliver Dercks im Bahnvierer 1998 bei den Junioren. Seine beiden Söhne Lars und Sven fuhren viele nationale und internationale Erfolge für den VfR ein und machten als Berufsradfahrer Karriere. Seine Tochter Ina-Yoko eine der weltbesten Profirennfahrerinnen. Die Jugendarbeit spielte stets eine große Rolle. Mit Viktor Hamann kam 1992 ein Dipl. Sportlehrer zum VfR. Der ehemalige russische Nationaltrainer, ein Spezialist für den Bahnradsport, war natürlich herzlich willkommen. Bis heute hat er an der Erfolgsstory der Radsportler im VfR und NRW-Verband großen Anteil.
Nach dem plötzlichen und tragischen Tod von Franz Hünerbein 1993, übernahmen die Trainer Horst Teutenberg, Viktor Hamann, Hans-Peter Gockel und Horst Felisiak die Verantwortung für den Trainingsbetrieb.
Für die weiteren Erfolge der Büttgener Radsportler seien hier nur einige Namen genannt: Oliver Dercks, Maria Dinter, Markus Fothen, Thomas Fothen, Boris Langel, Regina Rettke, Andreas Thelen, Jörg von Livonius und Jan Wegmann.
Heute unterstützt auch Lars Teutenberg den VfR Büttgen immer wieder mit seinem enormen Fachwissen. Sein Sohn Tim Torn und seine Tochter Lea Lin sind mittlerweile selbst Radprofis geworden und echte Vorbilder des Radsports in Büttgen.
Herausragende Erfolge
Zu den größten sportlichen Erfolgen der Radsportabteilung zählen neben den Olympiasiegen von Udo Hempel 1972 und Günther Schumacher 1972 und 1976, auch mehrere Weltmeistertitel. Udo Hempel wurde 1970 und Günther Schumacher 1973, 1974 und 1975 Weltmeister auf der Bahn.
An diese herausragenden Erfolge der beiden „Goldjungen“ wurden in den folgenden Jahren mit weiteren Weltmeistertiteln in der Juniorenklasse angeknüpft. Angefangen mit Andreas Beikirch, der 1988 Juniorenweltmeister beim Punktefah- ren auf der Bahn wurde; 1990 folgte Ina-Yoko Teutenberg sogar mit zwei Weltmeistertiteln bei den Juniorinnen auf der Bahn im Punktefahren und beim Straßenrennen. Sie wiederholte 1992 den Gewinn des WM-Titels beim Punktefahren auf der Bahn. Der Tradition folgend, erreichte Oliver Dercks 1998 im Bahnvierer seinen Juniorenweltmeistertitel.
Alle weiteren Erfolge findet ihr auf unserer Ehrentafel!